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	<title>Stimmen über Uns Archive &#8226; Zimmertheater am Karlstor Heidelberg</title>
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	<description>Spielplan und Aktuelles zum Zimmertheater Heidelberg</description>
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	<title>Stimmen über Uns Archive &#8226; Zimmertheater am Karlstor Heidelberg</title>
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		<title>„Wir sind quasi eine Theater-WG“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[PS]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2020 09:47:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stimmen über Uns]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>© Rhein-Neckar Zeitung &#124; Heidelberger Nachrichten &#124; FEUILLETON Dienstag, 30. Juni 2020 „Wir sind quasi eine Theater-WG“ Leben und Proben unter Corona-Bedingungen: Im Zimmertheater hat am Donnerstag die Komödie „Die [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">© Rhein-Neckar Zeitung | Heidelberger Nachrichten | FEUILLETON</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dienstag, 30. Juni 2020</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Wir sind quasi</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>eine Theater-WG“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Leben und Proben unter Corona-Bedingungen: Im Zimmertheater hat am Donnerstag die Komödie „Die Niere“ Premiere</em></p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="blob:https://www.zimmertheaterhd.de/1530d413-e84c-41ac-a7d1-76b3a82126ec" alt="pastedGraphic.png"/></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Munteres Quintett: Regisseur Joosten Mindrup (M.) inszeniert im Zimmertheater. In der Komödie „Die Niere“ spielen (v.l.) Christian Schulz, Josephine Raschke, Philip Leenders und Lena Sabine Berg. Foto: Konrad Gös</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von Ingeborg Salomon</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Donnerstag hat im Heidelberger Zimmertheater die Komödie „Die Niere“ Premiere. In dem Stück von Stefan Vögel treffen zwei Ehepaare aufeinander; ihre Freundschaft wird auf eine ebenso harte Probe gestellt wie ihre schon leicht in die Jahre gekommenen Beziehungen. Denn Kathrin braucht eine neue Niere, und Gatte Arnold, der als Spender in Frage käme, windet sich wie ein Aal. Doch Freund Götz erklärt sich ohne Umstände bereit, Kathrin eine seiner Nieren abzutreten. Allerdings findet seine Frau Diana, sie habe da auch noch ein Wörtchen mitzureden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter der Regie von Joosten Mindrup spielen Lena Sabine Berg, Philip Leenders, Josephine Raschke und Christian Schulz. Die RNZ war bei einer Probe dabei und hat mit den Akteuren über die Arbeit unter Corona-Bedingungen gesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Sie haben mit den Proben Anfang März unter normalen Bedingungen begonnen, am 2. April wäre Premiere gewesen. Dann kam Corona, die Proben wurden ausgesetzt, das Zimmertheater geschlossen. Erst vor zehn Tagen wurden die Proben wieder aufgenommen. Was hat sich an der Inszenierung wegen Corona verändert?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Joosten Mindrup: Wir hatten das Glück, dass wir bis Mitte März schon die Hälfte der Proben geschafft hatten. Es gibt ohnehin keine Kussszenen, und eine innige Männerumarmung habe ich gestrichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Schulz: Völliges Uminszenieren wäre schwierig gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Können Sie den Mindestabstand von 1,5 Meter auf der Bühne denn überhaupt einhalten?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Schulz: Das müssen wir nicht in jeder Sekunde, denn wir leben ja hier in einer Infektionsgemeinschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Das müssten Sie bitte ein bisschen erklären.</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Schulz: Alle vier Schauspieler wohnen im Zimmertheater, wir sind quasi eine Theater-WG.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Joosten Mindrup: Ich wohne in der „Schnitzelbank“in der Bauamtsgasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Josephine Raschke: Wir schminken uns selbst, waschen unser Kleidung selbst, und wir bleiben unter uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lena Sabine Berg: An einem kleinen Haus wie dem Zimmertheater geht das sehr gut. Größere Häuser denken auch darüber nach, die Schauspieler in einer Theater-WG leben zu lassen. Aber da sind es eben einfach zu viele – und die wohnen ja auch meist vor Ort. Wir sind ja alle nicht aus Heidelberg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Sie müssen sich auf der Bühne auf Ihren Text konzentrieren und außerdem darauf, Abstand zu halten. Ist das eine Belastung?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Schulz: Unsere Bewegungen gehen bei den Proben ins Körpergedächtnis über, beispielsweise, dass wir nicht bis dicht an die erste Reihe spielen und da immer genug Abstand zum Publikum halten. Man muss aber nicht ständig daran denken, das automatisiert sich im Laufe der Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Philip Leenders: Hier im Zimmertheater ist eigentlich alles wie immer. Das Absurde ist draußen, und unsere größte Gefahr sind die Zuschauer (lacht).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Sie haben ja alle schon, teilweise mehrfache Zimmertheater-Erfahrung. Der Zuschauerraum war meist bis auf den letzten Platz besetzt. Wie wird es sein, vor einem Saal zu spielen, der zu zwei Drittel leer ist?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Joosten Mindrup: Vor allem freuen wir uns sehr, dass wir überhaupt wieder inszenieren und spielen dürfen. Dafür sind wir nach der langen Pause sehr dankbar.</p>
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		<title>Eigentlich bin ich ganz anders</title>
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		<dc:creator><![CDATA[PS]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2015 16:48:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stimmen über Uns]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Doppeljubiläum: 65 Jahre Zimmertheater Heidelberg und 30 Jahre Intendanz Ute Richter Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch &#160; „So etwas gibt es in ganz München nicht“, verfiel ein intensiver Theatergänger in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h4><strong>Doppeljubiläum: 65 Jahre Zimmertheater Heidelberg und 30 Jahre Intendanz Ute Richter</strong></h4>
<p>Von unserem Mitarbeiter</p>
<p>Eckhard Britsch</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>„So etwas gibt es in ganz München nicht“, verfiel ein intensiver Theatergänger in Begeisterung, als der Bajuware die Aufführung von Jordi Galcerans bitterbösem Spiel „Die Grönholm-Methode“ besuchte, das Stück, das den Rekord der letzten zehn Jahre hält: 154 Mal wurde es vor drei Jahren gespielt, es hätten locker noch mehr Vorstellungen werden können, wären die Darsteller nicht schon andere Verpflichtungen eingegangen. Gemeint war aber nicht nur die Qualität der dichten und packenden, weil psychologisch bestens austarierten Inszenierung, sondern insgesamt die Art, wie sich das Haus in der Heidelberger Hauptstraße 118 darstellt. Das fängt mit dem Eindruck außerordentlicher Gepflegtheit des Hauses an und geht – nur als Beispiel &#8211; beim Pausen-Sekt weiter, der in bester Qualität serviert wird. Es soll nicht primär „Geld gemacht“ werden, sondern der Besucher darf sich wohl fühlen, wo er sich doch in vielen anderen Häusern über das schlechte Preis-Leistungsverhältnis an der Getränke-Bar ärgert. Aus hoher Belesenheit zusammengestellte Programmhefte sind ebenso selbstverständlich wie sensibler Geschmack in allen Details. Das „Zimmertheater“ ist in Heidelberg schlicht und einfach eine Institution.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die ordnende Hand von Ute Richter wird überall spürbar. Am 8. Januar 2015 wurde das Zimmertheater 65 Jahre jung, die Intendantin ist seit 48 Jahren dabei und vor 30 Jahren übernahm sie die Theaterleitung von Gillis van Rappard, der von 1961 bis 1985 diesem ältesten deutschen Theater in privater Trägerschaft vorstand. Die Diplom-Psychologin verkörpert den rar gewordenen Typus der „Prinzipalin“. Während der Probenarbeit unerbittlich gegenüber den Schauspielern in der Forderung nach Qualität: „Bei jedem falschen Ton bin ich persönlich gekränkt wie der Dirigent in Süskinds ‚Kontrabass’“, denn sie entwickelt den Ehrgeiz auch für die Schauspieler. Aber immer ist sie fürsorglich aufs Wohlergehen der Mimen bedacht. Unterkünfte werden bereit gestellt. Sind die Schauspieler während der Proben auch gut versorgt? Ah, der eine ist gerade alleinerziehend, darf das Kind beim Vater wohnen? Ein anderer muss unbedingt seinen deutschen Schäferhund dabei haben, wenn er für ein Vierteljahr in Heidelberg engagiert ist, um „en suite“ im Zimmertheater zu spielen. Auch das wird möglich gemacht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Räumlichkeit bestimmt den Stil des Hauses mit und setzt Grenzen, die aber konsequent ausgelotet werden. 93 Plätze sind während der drei bis vier Produktionen pro Jahr regelmäßig zu gut 90 Prozent gebucht. „Ein volles Haus ist kein Garant für Qualität, ein leeres aber auch nicht“, sagt Ute Richter leicht spöttisch. Denn auf die hervorragende Auslastung kann sie stolz sein, zumal das Theater auch aus diesem Grund nie von der Stadt entschuldet werden musste; die Räte danken es ihr, einige von ihnen sind regelmäßige Besucher. Die Schauspieler sind extrem nah am Publikum, was wiederum leisere Töne bedingt. Diesen Weg hat Ute Richter perfektioniert, denn ihre Regiearbeit meidet die Plakatmalerei: „Über Psychologie kann man soviel erklären“. Und konzentriert muss ein Stück sein, länger als zwei Stunden sollte es nicht dauern. Die Mühsal des Weglassens zahlt sich aus, denn gelangweilt ist der Besucher nie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>96 Stücke hat Ute Richter seit 1976 gemacht. Soeben geht die „Einst ein Tiger” zu Ende, Dernière ist am 14. Februar 2015. Parallel laufen natürlich schon die Proben fürs Folgestück „Unsere Frauen“ von Éric Assous auf Hochtouren (Premiere voraussichtlich am 26. Februar). War früher alles besser? Stücke zu finden sei deshalb schwieriger geworden, weil besonders gute Komödien, die durch Sprachwitz und intelligente Eloquenz auffallen, Mangelware geworden sind. Heute „ist der Witz meist in der Hose“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ute Richter will respektiert werden. Achtung, ja Bewunderung seitens des Publikums, der Kulturpolitiker und der Fachkollegen hat sie sich in den Jahrzehnten ihrer aufreibenden Arbeit im und fürs Zimmertheater redlich verdient. „Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu“, schaut Ute Richter mit einem Zitat in sich hinein. Distanz baut sie auf, doch eigentlich mag sie Nähe.</p>
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		<title>50 Jahre Zimmertheater Jubiläum im Jahr 2000</title>
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		<dc:creator><![CDATA[PS]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2015 16:48:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stimmen über Uns]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit 50 Jahren erfolgreich gespielt. Die Schlußfrage hallt uns noch in den Ohren: &#8222;Gibt denn keiner, keiner Antwort?&#8220; Damit schließt Wolfgang Borcherts &#8222;Draußen vor der Tür&#8220;, das wir als Schülerin [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h4 align="left"><strong>Seit 50 Jahren erfolgreich gespielt.</strong></h4>
<p align="left">Die Schlußfrage hallt uns noch in den Ohren: &#8222;Gibt denn keiner, keiner Antwort?&#8220; Damit schließt Wolfgang Borcherts &#8222;Draußen vor der Tür&#8220;, das wir als Schülerin 1957 im Heidelberger Zimmertheater erlebten, zehn Jahre nach seiner Hamburger Uraufführung. Damals mußte man das Stück noch nicht nach Kroatien verlegen, um die Zuschauer zu berühren. Die fünfziger Jahre waren noch tiefste Nachkriegszeit für diejenigen, die am Aufschwung der Wirtschaft wenig Anteil hatten, und erst ein Jahr vor der Heidelberger Aufführung war es Konrad Adenauer gelungen, die angeblich nicht mehr existierenden Kriegsgefangenen aus Rußland nach Deutschland zu holen.</p>
<p align="left">&#8222;Draußen vor der Tür&#8220; war nicht das einzige Bühnenereignis, das uns im Gedächtnis haften blieb. Da könnte man viel aufzählen, denn am heutigen Tage blicken wir auf fünfzig Jahre Heidelberger Zimmertheater zurück. Das erfolgsverwöhnte Haus präsentiert gegenwärtig mit Eric-Emmanuel Schmitts &#8222;Enigma&#8220; erneut einen theatralischen Wurf.</p>
<p align="left">Das spannende Spiel mit doppeltem Boden und mit seinen kontrastreich angelegten zwei Protagonisten ist prädestiniert für eine kleine Bühne, und es konfrontiert den Besucher mit existenziellen Fragen.</p>
<p>Das Heidelberger Zimmertheater ist fest in der Stadt verwurzelt. Es zählt zu den attraktivsten Kulturangeboten und ist als anspruchsvolle Einrichtung nicht mehr wegzudenken. Bei seiner Gründung vor fünfzig Jahren war noch nicht abzusehen, wie erfolgreich sich die Initiative von fünf jungen Schauspielern entwickeln würde.</p>
<p>Das waren Jochen Ballin, Claire Hahn, Helga Schmidle, Karl-Heinz Walther und Brigitte Zepf. Ihr erstes Stück, &#8222;Die glücklichen Tage&#8220; von Claude André Puget, brachten sie am 8. Januar 1950 heraus im ehemaligen Girl-Center in der Heidelberger Häusserstraße 24 in der Weststadt.</p>
<p>Der Erfolg muß umwerfend gewesen sein, denn 70 Aufführungen kamen zustande.</p>
<p>Im Anschluß trat das hoch motivierte Ensemble in fast allen Amerika-Häusern Deutschlands auf. Schon im Juni 1951 konnte die &#8222;Glasmenagerie&#8220; von Tennesse Williams im heutigen Domizil in der Hauptstraße 118 gespielt werden.</p>
<p>Mit viel Tatkraft baute sich das engagierte Kollektiv ein Fotoatelier im Hause von Eduard Reichert aus. Diese bevorzugte Lage im Herzen der Altstadt ist nach wie vor das große Plus der kleinen Bühne, die sich durch Engagement und Einfallsreichtum auszeichnet.</p>
<p>Das Theater verfügt über 93 Plätze, die im Schnitt zu 94 Prozent genutzt sind, gelegentlich auch mal zu 98 Prozent. Es wird das ganze Jahr hindurch gespielt. Aufführungsfreie Abende sind selten. Mittlerweile kann auf über 320 Inszenierungen zurückgeblickt werden. Allein 76 davon besorgte die jetzige Prinzipalin Ute Richter. Das zweitälteste Privattheater Deutschlands (nach Hamburg) ist weit über die Grenzen Heidelbergs hinaus bekannt, denn es hat sich längst herumgesprochen, daß hier hauptsächlich anspruchsvolle zeitgenössische Stücke in exzellenten Einstudierungen geboten werden.</p>
<p>Der Rückblick auf fünf Jahrzehnte konzentriert sich auf drei wesentliche Stationen. Sie sind mit den Namen Karl-Heinz Walther, Gillis van Rappard und Ute Richter verbunden.</p>
<p>Bis 1960 leitete Karl-Heinz Walther die Geschicke des Zimmertheaters. Er war nicht nur Regisseur, sondern auch ein intensiver Schauspieler. 1961 wurde er als Theaterleiter abgelöst von Gillis van Rappard, der dem Zimmertheater bereits von 1954 an fest verbunden war, seit dem Stück &#8222;Hier bin ich &#8211; hier bleib&#8216; ich&#8220;. Ein vielsagender Titel, fürwahr. Gillis van Rappard, gleichermaßen spielerfahren wie regiegewandt, stabilisierte die Bühne und brachte sie auf ein solides Niveau mit Aufführungen wie &#8222;Endstation Sehnsucht&#8220; oder &#8222;Tagebuch der Anne Frank&#8220;.</p>
<p>Zahlreiche Ur- und Erstaufführungen wurden vom Zimmertheater herausgebracht. Dazu traten auch Stars aus seligen Ufa-Zeiten auf wie Lilian Harvey oder Lida Baarova. Gillis van Rappard räumte den Avantgardisten der Nachkriegszeit, die inzwischen längst Klassiker geworden sind, eine Vorzugsstellung im Repertoire ein. Tennessee Williams, Anouilh, Sartre, Albee standen ebenso auf dem Spielplan wie Brecht, Giraudoux, Arthur Miller, Pinter, Saunders oder Ayckbourn.</p>
<p>Rappard war den älteren Theatergängern damals noch aus seinen jungen Jahren bekannt.</p>
<p>Da hatte er bei den berühmten Heidelberger Schloßfestspielen den Lysander in Shakespeares &#8222;Sommernachtstraum&#8220; gespielt. Er war nach seiner Berliner Zeit am Renaissancetheater an mehreren bedeutenden Bühnen tätig gewesen, kannte sich genau im Schauspiel wie sogar in der Oper aus. Ihm hatte das Zimmertheater viel zu verdanken. Unvergeßlich seine Verkörperung von Molières &#8222;Geizigem&#8220; in der Inszenierung von Ute Richter.</p>
<p>Seit dem 10. Januar 1985 &#8211; auch dies also ein Jubiläum, wenn auch nur eines von fünfzehn Jahren &#8211; leitet Ute Richter das Zimmertheater.</p>
<p>Sie ist von Hause aus Psychologin, hat aber seit ihrer Kindheit engste Kontakte zum Theater. Mit zehn Jahren hat sie am Mannheimer Nationaltheater Kinderrollen gespielt und wurde in dieser Eigenschaft im Laufe der Zeit von mehreren Funkanstalten als Sprecherin verpflichtet. Sie trat die Nachfolge ihres Mentors Gillis van Rappard an, dessen Verdienste um die kleine, feine Bühne sie stets ins rechte Licht rückte. &#8222;Ich habe alles von ihm gelernt&#8220;, bekennt sie.</p>
<p>Ute Richter weiß sich auch in der Welt der Literatur zuhause.</p>
<p>Ihre facettenreich das jeweilige Thema umkreisenden Programmhefte sprechen da eine deutliche Sprache. Gewöhnlich ist sie auch für die Gestaltung der Bühne verantwortlich und für die Auswahl der Hintergrundmusik. Bei ihrer vorletzten Einstudierung, bei Thomas Bernhards Stück &#8222;Über allen Gipfeln ist Ruh&#8220;, hat sie zum Beispiel die Endlos-Monologe des Protagonisten mit der repetitiven Minimal Music von Philipp Glass unterlegt.</p>
<p>Es gelingt der Regisseurin vorzüglich, den Theaterbesucher für eine bestimmte Problematik zu sensibilisieren und sein Augenmerk in die von ihr intendierte Richtung zu lenken. Nachdem sich Ute Richter als &#8222;rechte Hand&#8220; und Dramaturgin bei Gillis van Rappard unentbehrlich gemacht hatte, legte sie 1976 ihre erste eigene Inszenierung vor. Es war &#8222;Equus&#8220; von Peter Shaffer, der in den Achtzigern durch die Verfilmung seines &#8222;Amadeus&#8220; berühmt wurde. Dieses Stück wurde ein Riesenerfolg.</p>
<p>Es folgten Einstudierungen wie Sartres &#8222;Schmutzige Hände&#8220;, &#8222;Amphytrion&#8220; von Peter Hacks, &#8222;Die Dame von Dingsville&#8220; von Edward Albee, und aus jüngster Zeit seien Thomas Bernhards &#8222;Über allen Gipfeln ist Ruh&#8220; und &#8222;Enigma&#8220; von Eric-Emmanuel Schmitt erwähnt.</p>
<p>Zwar ist Ute Richter durchaus als Schülerin Gillis van Rappards zu bezeichnen, dennoch hat sie konsequent einen eigenen Stil entwickelt. Neben ihren vielen Meriten verfügt sie auch über ein ausgeprägtes Gespür für das Komödiantische, obwohl der Begriff &#8222;Boulevard&#8220; auf ihre Inszenierung eher komischer Stücke nie recht zutraf. Es war da doch immer etwas Hintersinn mit im Spiel. Ute Richter will erreichen, daß ihre Einstudierungen dem Besucher im Gedächtnis haften bleiben. Dabei kennt sie auch keine Scheu, unbekannte Dramen aufzuführen.</p>
<p>Als gutes Beispiel dafür, wie fest das Zimmertheater in Heidelbergs kulturellem Leben verankert ist, kann sein Freundeskreis genannt werden. Er wurde 1953 von einer treuen Schar theaterbegeisterter Heidelberger ins Leben gerufen. Die treibenden Kräfte waren Otto von Braunbehrens, Elisabeth Geck und Prof. Karl Geiler. Auch Heinz Ohff, in weit zurückliegenden Jahren Feuilletonchef des Heidelberger Tageblatts und später beim Berliner &#8222;Tagesspiegel&#8220;, war dabei.</p>
<p>Große Verdienste um den rührigen Freundeskreis erwarb sich auch der Heidelberger Physiologe Prof. Hans Schaefer.</p>
<p>Diese Institution sprang ein, wenn Not am Mann war, und das kam gelegentlich vor. Auch die Stadt und die Industrie eilten zu Hilfe, wenn scheinbar unlösbare Probleme auftauchten.</p>
<p>Heute verfügt das Zimmertheater über einen Jahresetat von über einer Million Mark. Die Eigeneinnahmen betragen fünfzig Prozent. Von der Stadt kommen rund 365.000 Mark, vom Land ca. 170.000 Mark. Die Eintrittspreise liegen zwischen 17 und 30 Mark. Auch Wahlabos und Gutscheine sind zu erwerben. Kartenreservierung ist immer ratsam. Im Jahr finden 300 bis 320 Aufführungen statt, pro Inszenierung 75 bis 100.</p>
<p>Eine Person darf nicht unerwähnt bleiben. Das ist Jochen Ballin, ein Mann der ersten Stunde, eines der fünf Gründungsmitglieder des Zimmertheaters. Er ist noch heute aktiv dabei und nicht nur im Hintergrund. Manchmal spielt &#8222;Mr. Zimmertheater&#8220;, als den ihn der frühere OB Zundel apostrophiert hat, noch kleine Rollen, und das freut die anhänglichen Heidelberger dann sehr, denn Ballin ist ein Publikumsliebling alten Stils.</p>
<p>Er gehört zum Inventar, und man sieht ihm seine fast 75 Lenze nicht an. Der Schauspielerberuf hält ihn jung, und er steht seiner Chefin so gut er kann zur Seite.</p>
<p>Was hat uns bei den vielen Stücken, die wir in den zurückliegenden Jahren sahen, am meisten berührt?</p>
<p>Das war im Jahr 1990 zweifellos &#8222;Liebe Jelena Sergejewna&#8220; von Ljudmila Rasumovskaja.</p>
<p>Die Eindringlichkeit dieser Inszenierung war so groß, daß ein hypersensibler Besucher auf die Bühne springen wollte, um die drohende Vergewaltigung einer Frau zu verhindern. Die Illusion war also perfekt, das Spiel von der Wirlichkeit nicht mehr zu unterscheiden. Ein Jahr später dann &#8222;Das Erwachen&#8220; von Julian Garner, eine Deutsche Erstaufführung, die ebenfalls unter die Haut ging.</p>
<p>Bei unserer &#8211; subjektiven &#8211; Auswahl sei auch &#8222;Sense!&#8220; vom Oktober 1989 nicht vergessen. Auch hier hatte sich Ute Richter die Deutsche Erstaufführung gesichert. In dem Stück des Engländers Stephen Bill ereignet sich in einer Mischung aus Komödie und Tragödie der Tod auf dem Theater, und dieser Tod ist von aktueller Brisanz, weil er sich so oder ähnlich Tag für Tag abspielen könnte.</p>
<p>Es geht um Sterbehilfe, damit auch um den Umgang unserer Gesellschaft mit den Alten und Schwachen.</p>
<p>Die besondere Wirkung dieses Stücks resultierte im wesentlichen daraus, daß eine ganz &#8222;normale&#8220; Familie dargestellt wurde, die nach außen hin Eintracht und Frohsinn demonstriert, hinter der Fassade aber Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit sichtbar werden läßt. &#8222;Sense!&#8220; warf heikle Fragen auf und führte nach seiner Aufführung zu entsprechend heftigen Debatten.</p>
<p>Die derzeitige Inszenierung, Eric-Emmanuel Schmitts &#8222;Enigma&#8220;, beschert erneut einen spannenden und ergiebigen Theaterabend.</p>
<p>Die vielen großen Erfolge, die das Zimmertheater einheimsen konnte, sind um so erstaunlicher, da sich die kleine Bühne natürlich kein festes Ensemble leisten kann. Die Schauspieler werden von Stück zu Stück engagiert über Bühnenvermittlungen oder weil man sie von einer früheren Zusammenarbeit her kennt. Für die rechte Auswahl der Mimen hat Ute Richter stets ein &#8222;Händchen&#8220; bewiesen. Außerdem sei neben der Theaterchefin und Regisseurin auch die Dramaturgin Ute Richter nicht vergessen.</p>
<p>Das Zimmertheater war uns zu allen Zeiten ein bevorzugter Veranstaltungsort &#8211; nicht nur bei den hauseigenen Inszenierungen. Im Haus Hauptstraße 118 tritt hin und wieder die Sängerin Joana auf, oder das Bosart-Trio lädt ein zu anspruchsvollen musikalischen Späßen. Gastspiele dieser Art gab es schon in weit zurückliegenden Jahren. Wir erinnern uns da an einen erinnerungsträchtigen Abend in den Fünfzigern. Da stand eine Diseuse mit dem Bühnennamen Monika de Witt auf den Brettern. Sie sang ein Chanson mit dem Refrain &#8222;Kleopatra die Nilfrau war eine Sexappeal-Frau&#8220;. Am Klavier begleitete sie ein junger, gutaussehender (aus Heidelbergs Weberstraße stammender) Mann mit Chopins a-moll-Walzer. Das war Karl Berger, der heute in New York lebend als der Welt bester Vibraphonist gepriesen wird.</p>
<p>Heide Seele, RHEIN-NECKAR-ZEITUNG, 8./9. Januar 2000.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.zimmertheaterhd.de/50-jahre-zimmertheater-jubilaeum-im-jahr-2000/">50 Jahre Zimmertheater Jubiläum im Jahr 2000</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.zimmertheaterhd.de">Zimmertheater am Karlstor Heidelberg</a>.</p>
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