Ein Stück von Terrence McNally
Deutsch von Inge Greiffenhagen und Bettina von Leoprechting

Inszenierung: Joosten Mindrup
Premiere Rot am 30. September  /  Premiere Blau am 01. Oktober

Es spielen:


Rose Maria Vischer  als  Maria Callas
Indira Hechavarria Eva Siegel Ferdinand Dehner
Marika Dzhaiani Florentine Schumacher Stijn Ritzen
  Randolf Stöck  

Rose Maria Vischer verkörpert in allen Vorstellungen die Rolle der Maria Callas.

 

Sie haben je nach Aufführungstermin die Gelegenheit, eine von zwei spannenden Besetzungen der drei jungen Gesangsschüler kennenzulernen, die in absolut gleicher Qualität allein aus Gründen der Stimmschonung alternierend auftreten.

„Berühmteste Sängerin aller Zeiten“, „Königin der Oper“, „La Divina“, Primadonna assoluta“ oder einfach „Die Göttliche“: Seit jeher überschlagen sich die Superlative, wenn von Maria Callas die Rede war. Schon zu Lebzeiten wurde sie zum Mythos.

Die grandiose Zeit Ihrer Triumphe war bereits vorbei, ihre Stimme glanzlos und verbraucht, als sie an der renommierten New Yorker Juilliard School Meisterklassen für junge Opernkünstler gibt. Aber wie soll man befreit drauflossingen, wenn einem eine lebende Legende gegenübersteht? Dieser Situation sind drei junge Meisterschüler ausgesetzt, die das große Los gezogen haben, dort einen Platz zu ergattern. Dabei erleben sie Callas‘ absolute Hingabe und ihre ungebrochene Leidenschaft für die Musik, bekommen aber auch die Unerbittlichkeit einer Lehrerin zu spüren, deren gnadenlos direkte Kritik nichts für dünnhäutige Gemüter ist. Dabei verlangt sie nicht mehr von ihnen als von sich selbst: sich kompromisslos an die Musik zu verschenken.

Beim Klang der großen Arien von Bellini, Puccini und Verdi taucht alles wieder in ihr auf: Die umjubelten Abende mit Luchino Visconti an der Scala, die tragische Liebesbeziehung mit dem Milliardär Aristoteles Onassis, die eifersüchtigen Konkurrentinnen und die Demütigungen der Klatschpresse – sie durchlebt nochmals all die Kämpfe und Ängste, Eitelkeiten und Wiedersprüche und zeigt dabei gleichzeitig auch ihren entwaffnenden, manchmal schonungslosen Humor.

Basierend auf den historischen Aufnahmen der Meisterklassen zeichnet Callas-Verehrer Terrence McNally in seinem preisgekrönten Stück eine äusserst unterhaltsame, zugleich berührende und faszinierende Charakterstudie dieser Ikone der Operngeschichte.

Die Rollen der jungen Sänger und des Pianisten sind jeweils mit zwei Darstellern besetzt, die aus Termingründen und zur Stimmschonung alternierend auftreten.

Die Produktion „Meisterklasse“ ist eine Kooperation mit der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Mannheim.

 



Pressestimmen

© Rhein-Neckar Zeitung | Heidelberger Nachrichten | METROPOLREGION
Samstag, 2. Oktober 2021

Souveräner Neustart

Joosten Mindrup inszeniert Terrence McNallys „Meisterklasse“ im Zimmertheater – Rose Maria Vischer brilliert als Maria

Von Ingeborg Salomon
Neuer Hausherr, chices Logo, eingängiges Motto („dichter dran“) und Leporello statt Programmheft: Im Zimmertheater Heidelberg hat unter Intendant Joosten Mindrup deutlich sichtbar eine neue Ära begonnen. Das Wichtigste hat sich freilich nicht geändert: die Qualität der Inszenierungen und die Begeisterung des Publikums. In der Premiere von „Meisterklasse“ nach einem Stück von Terrence McNally feierten die Besucher im nach langer Corona-Dürre endlich wieder voll besetzten Saal begeistert Mindrups erste Inszenierung als Intendant.

Als Maria Callas brilliert Rose Maria Vischer, die zu Beginn in einem großen Monolog klarmacht, was sie von ihren Meisterschülern erwartet: „Disziplin, Konzentration, Courage“. Genau die Eigenschaften also, die sie sich als „Diva aller Divas“ – so der Modeschöpfer Yves Saint-Laurent – stets selbst abgefordert hat. Da gibt es kein Pardon, und so unterbricht sie das hoffnungsvolle Nachwuchstalent Sophie, verkörpert von Indira Hechavarria, schon nach dem ersten Ton. Aber nicht, weil der falsch ist.

Die junge Sopranistin ist ebenso wie ihre Kollegin Eva Siegel und der Tenor Ferdinand Dehner Studierende an der Mannheimer Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Singen können sie also, aber was ihre strenge Lehrerin Maria Callas vermisst, macht Rose Maria Vischer unerbittlich klar: „Sie sollen fühlen, sie sollen sein, nicht spielen“. Kein Wunder, dass auf der Bühne bald Tränen fließen und Randolf Stöck als geduldiger Korrepetitor Manny am Flügel schnell mal ein Taschentuch reichen muss.

Dass Maria Callas beim Klang der großen Arien von Bellini, Puccini und Verdi in ihre eigene Vergangenheit eintaucht, entfaltet Joosten Mindrup in seiner zweistündigen Inszenierung (samt Pause!) mit viel Fingerspitzengefühl. Rose Maria Vischer spielt die Callas als eine Frau, die zwar den Olymp des Opernhimmels erreicht, dafür aber einen sehr hohen Preis bezahlt hat. Immer wieder blickt sie zurück auf eine Kindheit in Armut im Schatten ihrer schönen Schwester, auf Neid, Missgunst und Diffamierung, vor allem wegen ihrer Beziehung zum Milliardär Aristoteles Onassis.

Die Bühne des Zimmertheaters erweist sich einmal mehr als außerordentlich wandlungsfähig. Joosten Mindrup nimmt den Zuschauer mit auf die Jacht des griechischen Reeders sowie in die Garderobe der Diva. Rose Maria Vischer taucht in einem großen Monolog in ihre Ehe mit Giovanni Battista Meneghini ab, den sie für Onassis verlässt. Dass beide sie wie eine dekorative Marionette behandeln – der vulgäre Onassis nennt sie „Kanarienvogel“ – hat tiefe Verletzungen hinterlassen. Doch immer wieder lässt Vischers Diva auch Selbstironie und einen warmen Humor durchblitzen. So erlebt das Publikum eine „Meisterklasse“ mit vielen heiteren Momenten und hört den unverwechselbaren Sopran der Callas in historischen Aufnahmen.

Um die Stimmen der jungen Sänger zu schonen, hat Mindrup mit zwei Teams gearbeitet. Bei der B-Premiere (das ist keine Wertung!), standen gestern Marika Dzhaiani, Florentine Schumacher und Stijn Ritzen auf der Bühne. Am Flügel saß Leonhard Rieckhoff, als Zuschauerin hatte sich Mindrups Vorgängerin Ute Richter angesagt, die dem Haus auch als Vorstandsmitglied des Trägervereins eng verbunden bleibt.



© Mannheimer Morgen | Stadtausgabe |
Samstag, 2. Oktober 2021

SCHAUSPIEL: Zimmertheater Heidelberg startet unter Joosten Mindrup in die neue Saison – heftiger Premierenbeifall
Von Eckhard Britsch

Die Göttin mit zerbrochenem Herzen

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ hat uns Hermann Hesse ins Zitatenbuch geschrieben. Das gilt auch für das Zimmertheater in Heidelberg. Der Wechsel der jahrzehntelangen Intendantin Ute Richter, deren textlich geschliffene und psychologisch tief- gründige Regiekunst immer wieder Begeisterung auslöste, zum neuen Intendanten Joosten Mindrup weckte Erwartungen. Würde er das Haus weiter in der Erfolgsspur halten können?

„Meisterklasse“ heißt das Stück des im letzten Jahr gestorbenen amerikanischen Autors Terrence McNally, mit dem er die Gesangsgöttin Maria Callas thematisiert. Längst hat sie ihre Stimme verloren, und ihr Herz ist zerbrochen. Gesang lehrt sie in ihrer „Meisterklasse“, doch dienen ihr die Eleven eher zur Spiegelung ihrer seelischen Nöte. Die völlige Verausgabung auf der Bühne, das Einstehen ihrer Existenz mit den Opernfiguren, das war ihr Ding. Unterrichten weniger, wenn auch in guter Absicht.

Hier setzt die Regie von Joosten Mindrup an, der auch die Bühne verantwortet. Perfekt führt er seine Protagonistin Rose Maria Vischer als Maria Callas durch die Nöte dieser Jahrhundertsängerin. Exzentrisch und ständig von Rückerinnerungen geplagt; aufbrausend, verletzlich und verletzend, dann wieder mit einer gewissen Empathie für die jungen Sängerinnen und Sänger, die so viel erhoffen und denen sie nur einen Rat geben kann: unbedingte Hingabe an die Kunst.

Sänger aus Mannheim dabei

Dieses aufregende Rollenverständnis erfüllt Rose Maria Vischer ebenso aggressiv wie sensibel, zerquält und schmerzhaft in den Rückblenden. Die Bühne – roter Samtvorhang, ein (echter) Flügel – wird zweimal aufgelockert. Zuerst findet sich die Callas an Deck der Luxusjacht wieder, später vor einem Garderobenspiegel. Doch muss sie sich abwenden, der Glanz ist erloschen, „Ari“ Onassis hat ihr Ego zerstört. Um die zentrale Callas-Figur ranken sich die hoffnungsvollen Studentinnen und Studenten, begleitet vom fingerfertigen Korrepetitor Manny, dem Randolf Stöck bieder-mitfühlende Züge verleiht. Auch er ist wie die drei „Schüler“ von der Musikhochschule Mannheim „ausgeliehen“. Da taucht die junge Sopranistin Sophie de Palma auf, die sich an Bellinis Belcanto-Bravour- Arie der Amina wagt und spürbar nervös angelegt ist. Zu Recht, denn die Callas staucht die Schüchterne gleich zusammen, und die hochbegabte Indira Hechavarria wirkt glaubwürdig – und singt wirklich schön.

Auch die nächste Sopranistin Sharon Graham wird gleich fertig gemacht, hat sie sich doch per Glitzer-Abendkleid schön gemacht für die Stunde. Eva Siegel gibt ihr gute Fi- gur, haut entnervt ab und kommt wieder, eher im Schlabber-Look. Die Callas lässt sie singen, attestiert ihr eine schöne Stimme, aber Lady Macbeth sei nichts für sie: Abgebürstet auch die nächste jener Frauen, die ihren Stern glühen lassen wollen wie das grße Vorbild. Doch mag die exzentrische Diva eventuell sogar Widerworte? Der Tenor Tony Candelino lässt sich nicht rausschmeißen, er ist vielleicht naiv, aber selbstbewusst. Ferdinand Dehner macht als „Tosca“-Cavaradossi auf sich und seine Stärken aufmerksam.

Natürlich weinen wir Ute Richter ein Tränchen nach, freuen uns aber gleichzeitig sehr, dass Joosten Mindrup so gut die Kurve gekriegt hat und zudem neue Akzente setzt. Heftiger Premierenbeifall.