Komödie von Matthieu Delaporte / Alexandre de la Patellièretitel_programmheft

Inszenierung: Ute Richter

Spielzeit: 13. Okt. 2016 bis 23. März 2017

Es spielen: Yvonne Döring, Christian Schulz und Markus Streubel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was tun, wenn eine Freundschaft erkaltet, und man sie würdevoll / angemessen beenden möchte? Welchen gesellschaftlich legimitierten Weg gibt es, sich zu ent – freunden? Pierre und Clotilde stellen sich diese Frage in ihrem Pariser Mittelstandsglück und sehen einen Ausweg, der ihnen wärmsten empfohlen wurde: Sie laden Antoine und Bea zu einem festlichen Abschiedsdinner ein, um am Tag danach jeden Kontakt abzubrechen. Aus, Ende, vorbei. Doch Antoine bemerkt prompt, dass er selbst für immer verabschiedet werden soll. Getroffen und verletzt versucht er, seine jahrzehntelange Freundschaft mit Piere zu retten, wobei ihm fast jedes Mittel recht ist.
Wie schon in ihrem Erfolgsstück Der Vorname decken die beiden Autoren mit viel Sprachwitz und Feingefühl die unter der Oberfläche brodelnden Befindlichkeiten auf und zeigen einmal mehr, dass Eigenart das Salz in der Suppe der zwischenmenschlichen Beziehungen ist.

Bilder

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Pressestimmen

erschienen in RNZ am 15.10.2016 

Heiterer Dreier mit Tiefgang 

Ute Richter inszenierte im Heidelberger Zimmertheater die Komödie „Das Abschiedsdinner“ 

Vier sollten es sein, aber eine fehlt, und so verläuft alles anders als geplant. Statt des Ehepaars Royer ist nur Antoine bei Pierre und Clotilde Lecoer erschienen, die mit ihrer Einladung zum Abendessen die Beziehung zu den alten Freunden beenden wollen. Normalerweise lädt man jemanden, den man nicht mag, nicht ein, aber der Witz im Stück des Autorenduos Matthieu Delaporte & Alexandre de la Patellière resultiert genau aus dieser Vorgabe, und gerade die Dreierkonstellation erweist sich als tragfähig. 

Im heiter-behaglichen Bühnenbild von Gerlinde Britsch spielt sich die tragikomische Handlung ab, die von einem Hauch des Absurden durchweht erscheint, denn es verläuft alles etwas anders als geplant. Der Egozentriker Antoine nutzt hier endlich mal die Gelegenheit sich gründlich auszusprechen, sei es über seine psychischen Sorgen oder sein getrübtes Verhältnis zur unsichtbar bleibenden Ehefrau, und als er die Ursache der Einladung bei seinen Pariser Freunden durchschaut, wird er auch nicht gerade besser gestimmt. Marcus Streubel spielt diesen innerlich zerrissenen Menschen imponierend facettenreich, auf dem schmalen Grat zwischen Tragik und Komik elegant balancierend. 

Diese psychologischen Aspekte wurden von der Regisseurin Ute Richter sensibel herausgearbeitet. Sie hat wieder jede Rolle gründlich ziseliert und ihre Darsteller wie gewohnt zu fein austariertem Spiel zu motivieren verstanden. Boulevardeske Einschübe gibt es dabei reichlich. So tritt Antoine zunächst im Trenchcoat eines Obdachlosen auf, oder die von Yvonne Döring elegant verkörperte Clotilde demonstriert, wie gut sie in ihren Dessous mit Strapsen aussieht. Die Stimmung im Publikum war entsprechend fröhlich. Man lachte viel, obwohl natürlich unter der humorvoll polierten Oberfläche Antoines emotionale Probleme aufkochen. 

Die „Therapiestunde“ entwickelt sich zum Schlagabtausch zwischen den zwei Männern, zwischen denen sich Yvonne Döring souverän zu behaupten weiß. Während sich Antoine als penetrante „Diskutierwanze“ erweist und mit seiner Suada einen ebenso rührenden wie auch nervenden Seelenstriptease liefert (ein wort-wörtlicher und überaus komischer von ihm und Pierre folgt), verkörpert Christian Schulz als Pierre Lecoeur eher den selbstsicher und standfest in sich ruhenden Pol, der dennoch ein Filou ist. 

Das Menschliche und das Absurde gehen hier Hand in Hand, und im Hintergrund spielt auch der Analytiker mit, den Antoine zur Beruhigung seiner Psyche dringend nötig hat – von seiner ebenfalls unsichtbar bleibenden Partnerin Bea ganz zu schweigen, mit der er gerne ein Kind adoptieren würde. Ute Richters sicheres Gespür für angemessenes „Timing“ verhindert, dass Antoines ausufernde Seelenergüsse als langatmig empfunden werden und ihr Publikum nach wieder exakt zwei Stunden erschöpft ist. 

Die Leichtgewichtigkeit und der doppelte Boden, auf dem hier Ernst und Spaß Hand in Hand agieren, halten das Spiel in der Schwebe und machen seinen Charme aus. Intellektuelle Gedanken (über Freundschaft zum Beispiel) – wie sie dem seelisch aufgewühlten Antoine in den Mund gelegt werden – theatralisch umzusetzen, ist eine Kunst, die man beherrschen muss. Im Zimmertheater kann man sie erleben.

Von Heide Seele 

erschienen im Mannheimer Morgen am 18.10.20

Komödie auf dem Servierbrett 

Was tun, wenn einem Freunde fremd geworden sind und auf die Nerven gehen, aber man weiß nicht, wie man sie loswerden kann? Clotilde und Pierre Lecoeur stehen genau vor diesem Problem der Entsorgung, und die Erfolgsautoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière haben daraus ein spritziges und witziges Boulevard-Stück gestrickt: „Das Abschiedsdinner“ erlebte im Zimmertheater Heidelberg eine gefeierte Premiere, und Intendantin Ute Richter (Inszenierung und Bühne) hält wieder einmal alle Trümpfe in der Hand, um daraus einen Quotenrenner zu machen. 

Das Ehepaar Lecoeur will es also dem Freund Antoine richtig nett machen, ihn mit seinem sündhaft teuren Lieblingswein verwöhnen und lecker Suppe reichen. Dann aber wäre Schluss. Doch Antoine kommt Clotilde und Pierre auf die Schliche, dreht den Spieß um und will die Freundschaft retten. 

Gefangen in Abhängigkeiten 

Am Ende stehen Missverständnis, Ratlosigkeit und eine vermutlich gestörte Ehe-Harmonie. Aber für Pierre, dem Christian Schulz hinter dem starken Äußeren – Typ robuster Manager – sensible Züge verleiht, spielt auch eine tiefere Dimension eine Rolle, denn er reflektiert den Begriff Zeit: Wie viel davon bleibt für einen selbst, wo müsste er einen Cut machen, um mehr davon für sich und Clotilde frei zu schlagen im Dickicht der Abhängigkeiten? 

Die Regisseurin spitzt mit Feingefühl die Dialoge so zu, dass über den Wortwitz und eine intensiv ausgespielte Situationskomik hinaus sehr wohl geistreiches Geplänkel zum Vorschein kommt. Davon profitiert Yvonne Döring als Clotilde, denn die attraktive Darstellerin versteht es, über schelmische und lakonische Einwürfe das Tempo des Stücks hochzuhalten und ihren Göttergatten auf dessen Unzulänglichkeiten aufmerksam zu machen. Sehr stark wirkt Marcus Streubel in der Rolle des verschmähten Freundes Antoine. Eigenwillig komisch wird diese Figur angelegt, dabei aber durchaus tiefgründig, so dass der Zuschauer selbst über Wert oder Unwert von Freundschaft nachdenkt. 

Zum entspannten Premieren-Abend trägt auch wesentlich die leichte, ja heitere Bühnenmalerei bei, die den Darstellern Raum zur individuellen Entfaltung lässt. Dieses „Abschiedsdinner“ ist ein richtig gutes Boulevardstück. 

Eckhard Britsch

erschienen im Wochenkurier am 19.10.2016

Das Abschiedsdinner 

Was tun, wenn eine Freundschaft erkaltet, und man sie würdevoll / angemessen beenden möchte? Welchen gesellschaftlich legimitierten Weg gibt es, sich zu entfreunden? Pierre und Clotilde stellen sich diese Frage in ihrem Pariser Mittelstandsglück und sehen einen Aus- weg, der ihnen wärmsten empfohlen wurde: Sie laden Antoine und Bea zu einem festlichen Abschiedsdinner ein, um am Tag danach jeden Kontakt abzubrechen. Aus, Ende, vorbei. Doch Antoine bemerkt prompt, dass er selbst für immer verabschiedet werden soll. Getroffen und verletzt versucht er, seine jahrzehntelange Freundschaft mit Piere zu retten, wobei ihm fast jedes Mittel recht ist.

Wie schon in ihrem Erfolgsstück „Der Vorname“ de- cken die beiden Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière mit viel Sprachwitz und Feingefühl die unter der Oberfläche brodelnden Be- findlichkeiten auf und zeigen einmal mehr, dass Eigenart das Salz in der Suppe der zwischenmenschlichen Beziehungen ist. 

Die Komödie „Das Ab- schiedsdinner“ (Inszenierung: Ute Richter) feierte vergangenen Donnerstag Premiere im Heidelberger Zimmertheater, Vorstellungen sind täglich um 20 Uhr, sonntags um 17 Uhr (Spielzeit voraussichtlich bis Mitte Januar 2017).