umbruch_4_Neuoder Von den Vorzügen, sie zu verschweigen und den Nachteilen, sie zu sagen

Inszenierung: Ute Richter

Vorstellungen: 114   Besucher: 10.315

Es spielen:

 

Florian Zeller stellt seiner Komödie „Die Wahrheit“ ein Zitat Voltaires voran: „Die Lüge ist eine Tugend, wenn sie es erlaubt, das Leiden zu vermeiden. Lügen Sie, meine Damen, seien  Sie tugendhaft…Ich werde Ihnen bei Gelegenheit Gleiches mit Gleichem vergelten.“  Und mit sieben knappen, klaren, luziden Szenen illustriert Zeller danach Voltaires französische Frivolität.

Michel betrügt seine Frau mit Alice. Sie ist unzufrieden, dass sie sich nur für kurze Stunden treffen. Anfänglich wehrt Michel ihren Wunsch nach einem Wochenende ab; er fürchtet nicht nur, seine Frau Laurence könne ihm auf die Spur kommen, sondern auch Paul, Alices Mann und Michels bester Freund. Michel will auf keinen Fall, dass etwas herauskommt, angeblich um alle zu schonen. Er drängt Alice zu dem Versprechen, immer weiter zu lügen; sie aber lehnt ab. Bringt Alice sie also schließlich an den Tag, „die Wahrheit“?
Das wird das Publikum nie erfahren.

Das Stück des jungen, französischen Dramatikers und preisgekrönten Romanciers glänzt trotz des eigentlich banalen Grundkonflikts hell, weil es übersichtlich wie eine Mathematikaufgabe mit vier Bekannten beginnt, die Lösung dann aber unübersichtlich kompliziert wird. In der Komödie ist es üblicherweise so, dass das Publikum mehr weiß, als das Bühnenpersonal. In „Die Wahrheit“ ist es umgekehrt. Der Untertitel der Komödie erklärt, sich auf „Die Wahrheit“ beziehend: „Von den Vorteilen, sie zu verschweigen und den Nachteilen, sie zu sagen“.

Ulrich Fischer, Hamburg, 14.02.2011, nachtkritik

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